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Vortrag Pro-S21 in Untertürkheim Am Dienstag, 13.07.2010 um 19:00 Uhr in der Sängerhalle...

K21: Eine Alternative zu Stuttgart 21 oder ein Phantom?

Die gemeinsame Veranstaltung von CDU, SPD, FDP und FW sollte eine Informationsveranstaltung für die Bürger werden. Stattdessen ging der Referent Wolfgang Arnold (SSB) einseitig auf angebliche Schwächen von K-21 ein, ohne eine wirkliche Diskussion zuzulassen. Über S-21 und seine Schwächen hat er erst gar nicht gesprochen. Der Abend machte einen tiefen Riss durch die Gesellschaft deutlich, zwischen denen, die S-21 um jeden Preis "endlich fertig bauen" wollen, und denen, die Bedenken haben - und das Gefühl, dass ihre Bedenken von den Verantwortlichen aus politischen Gründen ignoriert werden.

Vor dem Eingang stehen zwei Streifenwagen der Polizei, auf der Treppe verteilen mehrere Menschen "Oben bleiben"-Buttons und Flyer gegen S21. In der Halle selbst herrscht Stimmung wie im Bierzelt: Etwa 250 Menschen (Durchschnittsalter ca. 60 Jahre, 80% Männer) sitzen an den langen Tischen, bestellen Getränke und schauen sich eine futuristische Animation, die aus Star Wars stammen könnte - extrem schnelle ICEs fahren durch eine wunderbar grüne Landschaft.

VortragAuf dem Podium: Dieter Wahl, der die Begrüßungsrede hält, Rose von Stein moderiert die Diskussion, Wolfgang Arnold (SSB) hält den Vortrag, wes Weiteren Konrad Zaiß und Andreas Reißig (SPD), der das Schlusswort spricht.

Der Vortrag von Herrn Arnold beginnt mit der Geschichte des Kopfbahnhofes in Stuttgart: Für ihn wurden weite Teile des königlichen Parks geopfert, Orangerie, klassizistische Gebäude abgerissen, Eigentümer enteignet. Nun habe das 80-100 Jahre alte Verkehrsbauwerk das Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer erreicht. Es bestehe allgemeiner Konsens, dass dringender Handlungsbedarf zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit besteht.

Ursprünglich gab es vier Varianten einer Modernisierung:  die Lean-Variante (das heutige K-21), Kombi-Variante (Kopf für Regionalbahn, Tunnel für Fernzüge),  Antragstrasse (heutiges S-21) sowie die Rosenstein-Variante (8-gleisiger Durchgangsbahnhof am Rosensteinpark). Nachdem Kombi und Rosenstein verworfen wurden, gehe es jetzt um den Vergleich von K-21 und S-21.

Der Rest des Vortrags drehte sich darum, welche Nachteile und Risiken das K-21-Konzept beinhaltet: Große technische Herausforderungen, wie Tunnelbau und Modernisierung der Gleise bei laufendem Betrieb, hohe Kosten (3,7 Mrd. Euro im Vergleich zu 4,1 Mrd. bei S-21). Zu S-21 fiel kein Wort, als ob es hierbei um eine Routineübung ginge.

Nach dem Vortrag der längere Teil - Fragerunde aus dem Publikum. "aus zeitlichen Gründen" sollen keine Vorträge gehalten, sondern nur Fragen gestellt werden, und zwar nur zu den vorgegebenen Themenkomplexen, die sich allesamt mit den Nachteilen und Risiken von K-21 befassten.

FragerundeDie Fragerunde eröffnete Klaus Arnoldi vom VCD, der an der Entwicklung von K-21 maßgeblich beteiligt ist. Er legte dar, dass die Behauptungen von W. Arnold bezüglich K-21 nicht den Tatsachen entsprechen. Unterbrochen durch Buh-Rufe und Aufforderungen, endlich die Frage zu formulieren, fragte er, warum W. Arnold trotz Klärung des Sachverhalts bei früheren Diskussionen weiterhin Lügen über das Projekt K-21 verbreitet, und drohte im Falle weiterer Wiederholungen gerichtliche Schritte an.
Die Antwort:  wie kann man mit jemandem diskutieren, der gleich mit Gericht droht? Außerdem ändere Herr Arnoldi sein K-21-Konzept anscheinend jeden Tag und somit kann er auch nicht konkret festgenagelt werden.

Es folgten viele weitere Fragen, bei denen sich zeigte, dass die Zuhörer zum Teil sehr gut informiert waren. Ein älterer Herr fragte, ob es denn stimme, dass die größere Leistungsfähigkeit des 8-gleisigen Durchgangsbahnhofs im Vergleich zum jetzigen 16-gleisigen dadurch erkauft werde, dass Fernzüge nur zwei, Nahverkehrszüge nur noch eine Minute halten werden?
Antwort: Herr Arnold kennt das Projekt nicht so detailliert, um dazu etwas sagen zu können.

Es fehlten auch nicht die Argumente, dass der Beschluss für S-21 demokratisch gefasst wurde und die Kritiker dies endlich als Tatsache zu akzeptieren hätten.

Ein sehr junger Mann stellte zwei Fragen "an die Grünen im Raum" (offensichtlich musste jeder, der gegen S-21 ist ein Grüner sein):  warum protestieren sie erst jetzt, nach 15 Jahren, und wie kann es überhaupt sein,  dass die Grünen gegen ein Bahnprojekt sein können, das auch noch die Lunge Stuttgarts vergrößert?
Die Moderatorin von Stein bedankte sich für die "äußerst interessante Frage, die uns alle bewegt", im Interesse des Zeitplans würge sie aber eine Beantwortung ab und übergab das Wort dem nächsten Frager.

Die Diskussion wurde immer hitziger, insgesamt kann man annehmen, dass an diesem Abend niemand überzeugt, sondern nur in seinem Standpunkt gefestigt wurde. Die Reaktionen der Zuschauer zeigten, dass 1/3 bis 1/2 der Anwesenden gegen S-21 waren.

Die Veranstaltung endete kurz nach 22:00 Uhr.

Vor der Halle gingen die Diskussionen in kleinen Kreisen weiter. Besonders hitzig diskutierten SPD-Mitglieder, was sie unternehmen sollten, damit die Stuttgarter SPD nicht all das zerstört, was Kraft in NRW gerade wiederaufbaut, nämlich ein neues Vertrauen in die Partei.



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