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"Stuttgart 21 nach der Schlichtung"

Eine Infoveranstaltung in Fellbach

Als Rollstuhlfahrer und Bahnfahrer aus Karlsruhe war ich bei der Informationsveranstaltung "Stuttgart 21 nach der Schlichtung" in Fellbach am 13.01.2011 dabei.

Die Informationsveranstaltung war sehr gut besucht, was darauf schließen lässt, dass bei den Bürgern ein großes Informationsdefizit besteht, weil die Politiker versäumt haben die Bürger rechtzeitig aufzuklären obwohl das eigentlich ihre Pflicht wäre.

Als Experten sprachen Prof. Dr.-Ing. Gerhard Heimerl (geistiger Vater von S21) und Klaus Arnoldi (Bahnexperte im Landesvorstand des VCD-Ba-Wü).  
Prof. Heimerl hat sehr für seinen Tiefbahnhof geworben und ignorierte gänzlich, dass dieser auch gravierende Nachteile hat. Gleichzeitig sah er nur Nachteile für K21. Kann es zwar nachvollziehen, dass er für sein "geistiges Kind" wirbt. Aber von einem Verkehrsexperten sollte man erwarten, dass er auch für alternativen offen ist und dessen Vorteile sieht und nicht einseitig für seine Erfindung wirbt.
Arnoldi hat mit viel Fachwissen die Vorteile des K21 vorgestellt und mit ebensoviel Fachwissen die Nachteile von S21 konkret erläutert.

Ich muss die Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Spieth (CDU) und Ulrich Lenk (FW/FD) sehr kritisieren, den sie waren ziemlich polemisch, unsachlich, plump und emotional in ihren Argumenten (die größtenteils gar keine waren). Harald Rass (Vertreter der SPD-Fraktion) war sachlich und kritisch, in mancher Hinsicht auch kritisch zu S21 auch wenn er grundsätzlich dafür ist.  Stephan Egelhof (Bündnis90/Grüne) hat einen sehr guten Vortrag gegen S21 und für K21 gehalten mit vielen konkreten Argumenten.  

Durch viele Zwischenrufe und durch viele konkrete Fragen der Zuhörer -  vor allem an stellen, an denen längst widerlegte Unwahrheiten ausgebreitet wurden - verursachte, dass sich die Politiker so sichtlich sehr unwohl gefühlt haben.
Fragen wurden besonders von Spieth und Lenk oft nicht richtig bzw. unsachlich oder gar nicht beantwortet, sondern sie wichen aus bzw. stellten Gegenfragen. Solche Politiker kann ich nicht ernst nehmen und sind eine Zumutung.
Nach meinem persönlichen Gefühl, anhand von den Zwischenrufen und Fragen der Zuhörer, gab es an dieser Veranstaltung mehr Gegner als Befürworter von S21.

Arnoldi hat auch kurz erwähnt, dass der jetzige Kopfbahnhof barrierefreier für mobilitätseingeschränkte Menschen ist als der zukünftige Tiefbahnhof.
Als Rollstuhlfahrer bin ich und viele andere für den erhalt des Kopfbahnhofes, weil dieser schon aus Prinzip barrierefreier ist, da die Bahnsteige ebenerdig erreichbar sind. Bei allen anderen Bahnhöfen, auch bei Tiefbahnhöfen, sind die Bahnsteige nur mit Hilfe von Aufzügen erreichbar. Wenn Rollstuhlfahrer, Kinderwagenschieber, Rollatorbenutzer, Blinde, Reisenden mit viel Gepäck u.s.w. Umsteigen wollen, dann müssen sie erst den Aufzug hochfahren und auf der anderen Seite den Aufzug runterfahren. Das ist umständlich, zeitraubend und alles andere als barrierefrei.
Im Notfall (z.B. Feuer, Rauch) sind die Aufzüge/Rolltreppen abgeschaltet und somit sind z.B. Rollstuhlfahrer in der Falle. Im Notfall geraten die Menschen in Panik (wie während der Loveparade in Duisburg, 2010) und mobilitätseingeschränkte Menschen können in dieser Situation nicht auf Hilfe hoffen. Das gilt nicht nur für den geplanten tiefer gelegten Hauptbahnhof, sondern auch für den geplanten fast 30 m tiefen (5 Etagen) Filderbahnhof beim Flughafen.

Nebenbei bemerkt: Nach meinem Kenntnisstand soll es auf jedem Bahnsteig je 3 Treppen geben. An einer Treppe 1 Rolltreppe, an den beiden anderen Treppen 2 Rolltreppen. Und auf jedem Bahnsteig zusätzlich 3 Aufzüge. Wenn es bei den 4 Bahnsteigen (bei 8 Gleisen) bleiben sollte, dann macht das 20 Rollstreppen und 12 Aufzüge: Schon das allein kostet sehr viel Energie-, Instandshaltungs- und Wartungskosten jedes Jahr. Weitere Rolltreppen/Aufzüge soll es außerhalb der Bahnsteige und im Bonatzbau geben: Insgesamt sollen es 35 Rolltreppen (plus 14 im Bonatzbau) und 15 Aufzüge (plus 3 im Bonatzbau) sein. Die Macher von S21 behaupten, dass es Umweltfreundlich sein soll. Aber schon allen die vielen Rolltreppen/Aufzüge beweisen, dass es alles andere als umweltfreundlich wird, sondern ein ökologisches Frevel. Der ebenerdige Kopfbahnhof benötigt keine Rolltreppen/Aufzüge um die Bahnsteige erreichen zu können. Allerdings müsste der Kopfbahnhof so umgestaltet werden, dass es noch barrierefreier wird (z.B. am Haupteingang).

Deshalb: oben bleiben = eben bleiben!

(Attila Medgyesi, Rollstuhlfahrer aus Karlsruhe)
Unsere Homepage "Initiative Barriere-Frei - Gegen Stuttgart 21"

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